Der Gralsritter

„Der Gralsritter“ ist der Blog des ORDO MILITUM TEMPLI SANCTI GRAIL (Tempelritterorden vom heiligen Gral)!

In unserem Blog wollen wir historische Fakten, aber auch spirituelle Themen sowie kritische Themenbereiche rund um den Tempelritterorden, unseren urchristlichen Glauben, wie auch dem gesellschaftlichen und kulturellem Lebensumfeld in dem sich die Menschheit bewegt ansprechen und hinterfragen.

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NON NOBIS, DOMINE, NON NOBIS,

SED NOMINI TUO DA GLORIAM

Tempelritter - die Armee Gottes

von Harald von Ibelin

Die Geschichte der Tempelritter beginnt mit der Geburt Hugo von Payns 1070. Er besaß ausgedehnte Ländereien im burgundischen Tonnerre. Hugo von Payns wurde bereits sehr früh zum Ritter geschlagen und diente während des ersten Kreuzzuges zwischen 1095 und 1099 im Heer des Grafen von Blois und der Champagne. Um 1100 kehrte er nach Frankreich zurück. Verwandt war er über die Familie Montbards auch mit dem Abt Bernhard von Clairvaux. Weiterhin verfügte Hugo von Payns über intensive und hervorragende Kontakte zum Zisterzienserorden und zum Grafen Hugo I. von Champagne (1074 – 1125). Er wird Vasall des Grafen Hugo I von Champagne, ist aber auch freundschaftlich sehr stark mit dem Grafen und dessen Familie verbunden. Dieser Graf hatte zur damaligen Zeit mehr Ländereien und Macht als der französische König.

Und nun beginnt unsere Geschichtsreise mit dem Ritter Hugo von Payns. 1104 reisen Hugo von Payns und der Graf der Champagne nach Jerusalem zu einer Pilgerreise. Nach diesem Aufenthalt in Jerusalem wird es mysteriös. 1108 besucht der Graf Hugo der Champagne den Zisterzienserabt Stephan Harding in Kloster Citeaux. Das Kloster ist berühmt für seinen großen Schreibsaal in dem der Abt die meiste Zeit anzutreffen ist. Harding ist u. a. berühmt für seine Überarbeitung der Vulgata, der althistorischen und fehlerhaften Bibel, die er mit Hilfe hebräischer Texte und Rabbiner zu rekonstruieren versucht. Aus dieser Überarbeitung entstand die sogenannte Harding-Bibel. Und nun wird es interessant, denn während dieser Überarbeitung lernten sich Graf Hugo, Abt Harding und der jüdische Talmund-Experte Rabbi Salomo bar Isaac kennen und schätzen. Rabbi Salomo war schlichtweg der Experte auf dem Gebiet der Thora, der fünf Bücher Moses. Hugo von Payns, Graf Hugo, Abt Harding und Rabbi Salomo studierten hebräische Texte zu den fünf Büchern Moses und des Talmuds, warum blieb unklar. Doch scheinen diese Forschungen so interessant gewesen zu sein, dass eine weitere Reise nach Jerusalem 1114 unternommen wurde.

Hugo von Payns bleibt 1114 in Jerusalem und der Graf kehrt nach Frankreich zurück. Im Jahr 1120 kommt es in Jerusalem zu einer geheimnisvollen Zusammenkunft zwischen Hugo von Payns und seinem Stellvertreter Gottfried von St. Omer, König Balduin II, Garmond von Picquigny dem Patriarchen von Jerusalem. Später kommen noch Andres von Montbard, Payen von Montdidier, Archambaud von St. Amand, Gottfried Bisol und drei weitere Zeitgenossen hinzu. Andreas von Montbard ist übrigens der Onkel des heiligen Bernhard von Clairvaux. Bei dieser Zusammenkunft geschieht dann etwas aus damaliger Sicht Unglaubliches, der König Balduin II teilt den Rittern einen Teil seines Palastes zu und zwar in der Al-Aqsa-Moschee. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, ein König gibt einem kleinen Trupp unbedeutender Ritter einen Teil seines Palastes ab. Nach dem was über die Zusammenkunft bekannt ist, aus historischen Quellen, hat nicht der König entschieden den Rittern den Wohnbereich zu geben, sondern er wurde explizit von diesen erbeten. Warum aber gerade dieser Teil des Palastes? Nun laut den Forschungen soll sich der Salomonische Tempel darunter befunden haben. Ab diesem Zeitpunkt nennt sich diese Rittergruppe die Arme Bruderschaft Christi vom Salomonischen Tempel zu Jerusalem. Ab diesem Zeitpunkt gelobten diese Ritter in Keuschheit, Armut du Gehorsam zu leben nach den Ordensregeln der Augustiner und Benediktiner.


Die Ritterschaft wird vom zukünftigen König von Jerusalem Fulko V von Anjou finanziell unterstützt. Offiziell leben die Ritter von Spenden und Almosen, doch da sie adeliger Herkunft waren dürften sie nicht wirklich in Armut wie Mönche ausgeharrt haben. Nachdem sich Graf Hugo und König Balduin II gekannt hatten, ist es naheliegend, dass die Finanzierung der Ritter über den König und die Barone erfolgte. 1125 schließt sich plötzlich Graf Hugo der Rittergruppe an, in dem er seinen ganzen Besitz an seine Verwandten abgibt, seine Frau und Kind verstößt. Bemerkenswert ist auch das der Graf mit jüdischen Kaufleuten und Gelehrten in seiner Region einen engen Kontakt pflegt und seine Beziehungen mit diesen ausgezeichnet sind. Interessant ist dabei auch, dass sich der Abt Bernhard von Clairvaux dahingehend äußert, dass er enttäuscht sei über den Schritt des Grafen und er ihn eher bei den Zisterziensern gesehen hätte. Daraus folgernd scheinen sich die beiden Personen intensiv ausgetauscht zu haben insbesondere da an das Kloster massive Zuwendungen an Hab und Gut erfolgten. Vermutlich auch deshalb war der Abt Bernhard den Templern besonders zugetan.

Während dieser Geschehnisse verhalten sich die Ritter um Hugo von Payns in Jerusalem auffällig ruhig. Sie nehmen an keiner der unzähligen Scharmützel mit Wegelagerern statt, ebenso beteiligen sie sich nicht an den großen Schlachten dieser Zeit. Als Beispiel sei hier erwähnt der Angriff der Seldschuken und der Fatimiden 1119. Hier wurde jede kämpfende Hand benötigt um diese Angriffe siegreich abzuwehren. Balduin II wird 1123 von den Seldschuken gefangen genommen und 1124 wieder frei gelassen. Doch von der Rittergruppe war hier auch nichts zu sehen. 1125 kommt es zur Schlacht zwischen Balduin II und den Seldschuken, doch auch hier finden sich keine Ritter dieser Gruppe ein. Auch der permanente Schutz der Pilger auf der gefahrvollen Pilgerschaft nach Jerusalem wäre einen Einsatz der Ritter wert gewesen. Doch weit gefehlt auch hier hielten sie sich heraus. Letztendlich hinkt die Erklärung, dass die Tempelritter gegründet wurden um die Pilger und Gläubigen zu schützen, aufgrund dieser genannten Tatsachen doch sehr. Betrachtet man auch die Anzahl der Rittergruppe von 10 Rittern, so erscheint es abwegig, dass sie als ausreichend erachtet werden konnten die Pilgerwege zu schützen. Laut dem Historiker Malcom Barber sollen sich die Tempelbrüder weltlich gekleidet haben und auf sich gestellt unscheinbar in den Gemäuern gelebt haben. Und was noch mehr verwundert ist, dass sich die Ritter bereits zehn Jahre vorher gekannt haben sollen. 1137 etwa soll der Patriarch die Tempelbrüder zur Sicherung Jerusalems aufgefordert haben. Also wurde die Bitte um Hilfe für die Pilger erst viel später an die Tempelbrüder herangetragen. Auch logistisch gesehen war durch die Vorgehensweise Hugo von Payns zur Finanzierung und Versorgung der Rittergruppe in keinster Weise geeignet diese für einen Kampfeinsatz vorzubereiten.

Was aber war dann die Absicht der Rittergruppe um Hugo von Payns?


Seltsam erscheint es das König Balduin II der Bruderschaft einen Teil seines Palastes in der Al-Aqsa-Moschee ohne zu zögern überlässt, ebenso so seltsam erscheint es das Hugo von Payns nicht vorher mit Adeligen Geldgebern verhandelt hat, wenn es der Plan gewesen sein soll die Pilgerwege zu schützen. Weiterhin ist es sonderbar, dass Graf Hugo der Champagne zu drei Pilgerreisen nach Jerusalem aufgebrochen war und dies mit großer Eile und Besessenheit. Es scheint so, dass er ein besonderes Ziel im Auge hatte und dieses Ziel so wichtig war das ihn weder die Gefahren der Reisen noch sonst etwas abschrecken konnten. Was also ging in Jerusalem vor, dass so wichtig war das wichtige Zusammenkünfte stattfanden mit Äbten, dem König von Jerusalem, wichtigen Vertrauten der Herrschenden und Graf Hugo seine Familie verstieß?


Der Chronist Fulcher von Chartres berichtete, dass die Ritterschaft um Hugo von Payns den Tempelberg ausbauten und u.a. die Ställe Salomons unterhalb der Al-Aqsa-Moschee freilegten. Diese Räumlichkeiten sollen so groß gewesen sein, dass 10.000 Pferde darin untergebracht werden konnten. 1980 legten israelische Archäologen unterhalb des Tempelberges einen Tunnel frei, der auf das 12. Jahrhundert datiert werden konnte. Dieser Tunnel befand sich 30 Meter von den Ställen des Salomons weg genau unterhalb des ehemaligen Hauptquartiers der Tempelritter. Er wurde angelegt um in die weiter unten liegenden Gewölbe und Kammern des Tempelberges vorzudringen. 1120 verlässt König Balduin II seine Residenz um in einen neuen Palast umzuziehen und überlässt den Templern die komplette Palastanlage. 1128 ist der komplette Bereich zum Hauptquartier dem Templer ausgebaut worden.

Nun fragt man sich warum sich neun Ritter die adelig und mächtig waren auf den Grundmauern des Salomonischen Tempels sammelten, einen Ritterorden gründeten und dann zurückgezogen lebten und unter dem Tempelberg forschten und Ausgrabungen durchführten? Was genau suchten diese Männer dort?


Der Orden gründete sich 1120 doch davor waren Hugo von Payns und ein paar Getreue 1115 in Jerusalem unter dem Schutz des Priors der Grabeskirche von Jerusalem. Es drängt sich der Gedanke auf, dass diese Männer im Geheimen Nachforschungen betrieben über was immer auch. Angeblich war ein Gemetzel an Pilgern 1119 der Grund warum der Templerorden gegründet wurde. Seltsam ist aber dabei, dass bis 1128 keinerlei Kampfeinsätze der Tempelbrüder nachgewiesen werden konnte. 1130 beschwert sich der Patriarch von Jerusalem in einem Brief an den Abt Bernhard von Clairvaux, dass die Templer bisher noch nicht ihrer Aufgabe nachgekommen sind die Pilgerwege zu schützen. Im Zuge des vorhergehenden Schriftverkehrs kommt der König Balduin II auf Hugo von Payns zu und stimmt diesen darauf ein, Männer für den Orden anzuheuern um dem Pilgerschutz nachzukommen. Hugo von Payns stimmt widerwillig zu und begibt sich 1127 nach Frankreich, Schottland und England um Mitstreiter für den Orden zu gewinnen. Gleichzeitig wird Andreas von Montbard und Bruder Gundemar zu Bernhard von Clairvaux entsandt um diesen eine Verfassung für den Orden erstellen zu lassen. Während die beiden Brüder sich um eine Verfassung kümmerten, konzentrierte Hugo von Payns sich darum Kämpfer, einflussreiche Adelige um die Finanzierung des Ordens sicherzustellen. Am 13. Januar 1129 wird ein Konzil in Troyes einberufen um eine Ordensregel aufzustellen. Dies ist insofern etwas besonderes für die damalige Zeit, da andere Orden auch in Jerusalem existierten ohne aber ein Konzil bei ihrer Gründung zu erhalten. Es erscheint überraschend, dass der Klerus, Fürsten und Könige die Tempelritter so hoch einschätzen und ihnen eine Wertschätzung bekunden die nach den offiziellen Daten ihnen eigentlich nicht zustehen dürfte. Vermutlich lag es auch daran, dass das was sie unter dem Tempelberg bei ihren Ausgrabungen auffanden so bedeutsam war. Die Liste der Teilnehmer am Konzil zeigt auf das sich höchste Würdenträger für eine unspektakuläre Ordensregel versammelt hatten.

Was aber war so wichtig, dass sich so viele Würdenträger versammelten? Aus den vorliegenden Informationen gibt es keinen Hinweis auf anderweitige Gesprächsthemen. Es wurden rein die 72 Ordensregeln besprochen und abgesegnet. Keuschheit, Armutsgelübde und Gehorsam war für die neuen Tempelritter Grundvoraussetzung. Hingegen durfte der Orden Besitz in Form von Ländereien, Äckern, Bauern und Menschen, sowie Zinsen anhäufen. Dieser Artikel war der wohl entscheidende und kontrovers ausdiskutierte Bereich, der aber den Grundstein für den sagenumwobenen Reichtum der Templer legte. Später erhöhten sich die Ordensregeln auf 686 um der geänderten Situation der Templer gerecht zu werden. Weiterhin wird auf dem Konzil die Ordensregierung bestimmt sowie das Erscheinungsbild der Ritter. Doch das was eigentlich vorrangig als wichtigstes Thema anstehen sollte, die Sicherung der Pilgerwege, wurde nicht erwähnt.

Auf dem Konzil hält der heilige Bernhard eine Lobesrede auf die Tempelritter und würdigt sie mit einer einfallsreichen Rede. Seltsam erscheint bei dieser Rede jedoch, dass sich Bernhard dazu verleiten lässt die Tempelritter als die wahren Israeliten zu bezeichnen. … „denn die wahren Israeliten schreiten ruhig in den Kampf.“ Und Bernhard erklärt noch weiter, dass die Templer für den Herrn der Heerscharen – Zebaloth-, kämpfen (eine Bezeichnung aus dem Alten Testament für JHWH). Bernhard schildert weiterhin in seiner Rede über die Ungläubigen: „Sie arbeiten daran, die in Jerusalem niedergelegten, unschätzbaren Reichtümer des christlichen Volkes zu rauben, das Heiligtum zu schänden und den heiligen Tempel Gottes in Besitz zu nehmen.“ Dabei ist für Bernhard der salomonische Tempel an erster Stelle und nicht etwa die Grabeskirche. Und weiter betont Bernhard in seiner Rede, dass durch die Anwesenheit der Templer der Tempel Salomons zum höchsten Heiligtum geworden sei. Nicht das Gold an den Wänden mache den Tempel Salomons zu einem Schatz, sondern die zahlreichen Tugenden und heiligen Taten der Mönchsritter. Warum kann eine Tat heilig sein, wenn nicht auf eine bestimmte Art und Weise die Suche nach heiligen Relikten in den Sinn kommt. Denn der Schutz der Pilger ist sicherlich nicht gemeint, da die Templer dieser Aufgabe überhaupt nicht nachgehen. Bernhard kann also folglich nur die Ausgrabungen und das erfolgreiche auffinden von Relikten meinen. Dadurch ist jetzt auch geklärt, dass die Aufgabe der Templer die Suche nach den Schätzen der Heiligen Stätte und ihre Sicherstellung lautet. Durch Bernhard erfolgt für die Templer der Aufruf zur Jagd nach den Schätzen und Reliquien im Heiligen Land und in Jerusalem. Doch nach welcher heiligen Reliquie haben die Männer um Hugo von Payns gesucht und vor allem was haben sie gefunden, damit sie Bernhard als die wahren Israeliten bezeichnet.

Was also könnte es sein das so wichtig für die Christenheit ist, dass so einen Einsatz erfordert und ermöglicht? Der heilige Gral vielleicht oder die Bundelade? Was kann es sein, dass auf dem alten spirituellen Wissen aufbaut und so mächtig und unfassbar ist, dass so eine Ordensentwicklung von Nöten ist?


Hier möchte ich schließen um Spekulationen aus dem Weg zu gehen. Sicherlich lässt sich noch einiges zur reinen Templerhistorie sagen, doch diese Daten sind überall frei zugänglich. Interessant sind dabei die politischen Ereignisse rund um das Heilige Land und vielen kleinen Streitereien die dafür sorgten, dass nie eine einheitliche und vor allem schlagfertige Kriegsführung zustande kommen konnte. Der Templerorden allein war zu schwach um kriegsentscheidend einzuwirken. Er konnte nur immer wieder die Verluste ausgleichen um den Istbestand des Heiligen Landes zu halten. Was die Templer letztendlich wirklich fanden ist rein spekulativ und wird in einem späteren Beitrag erörtert. Spannend ist auch die Erkenntnis, dass die Templer schon während ihrer aktiven Zeit verklärt wurden. So fanden sie in den Erzählungen zum Heiligen Gral Einlass (siehe hierzu auch Tristan). Aber auch in der Bevölkerung waren sie hochgeachtet und geschätzt. Vieles wurde nach der Vernichtung der Templer ihnen angedichtet und so sind die Templer der einzige Orden der sich in den Bereich der Mythen und Sagen erhoben hat und somit zum Urtyp vieler anderer Verbindungen wurde. Selbst in der heutigen Zeit sind die Templer für viele Menschen mit einer Faszination ausgestattet und zieht diese mit Begeisterung an.

 

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