Der Gralsritter

„Der Gralsritter“ ist der Blog des ORDO MILITUM TEMPLI SANCTI GRAIL (Tempelritterorden vom heiligen Gral)!

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NON NOBIS, DOMINE, NON NOBIS,

SED NOMINI TUO DA GLORIAM

Ernährung der ersten Christen

von Harald von Ibelin

Die ersten Christen lebten vegetarisch!

In der Apostelgeschichte 2 heißt es über die ersten Christen „sie brachen das Brot hin und dort in den Häusern“. Die Gemeinschaft der Urchristen traf sich also zu ihren Treffen um gemeinsam zu essen und zu trinken und dafür mussten keine Tiere sterben. Die Lehre Jesus wies dabei seinen Nachfolgern und Anhängern klar und deutlich auf, dass Tiere ein Empfinden besitzen und daher keine Tiere geschlachtet werden sollten (apokryphen Schrift Das Evangelium Jesu). Selbst Moses hielt sich an dieses Gebot des Nichtfleischverzehrs. Die Priester aber verfälschten die Botschaften des Moses aus der geistigen Welt. Und Jesus wurde diese Irrlehre wieder geradegerückt. Mit dem Erscheinen des Paulus wurden dann die Zeiten für die Tiere schlimmer als davor.

Über Jahrhunderte hinweg wurde durch das anthropozentrische (auf den Menschen bezogenen) Weltbild der Kirche durch eine vorgeformte Form der Brille die Bibel gelesen und verstanden. Mit dieser Blickrichtung haben wir Christen den Blick auf die Tiere verloren. Das Tiere genauso wie Menschen leiden können steht außer Frage, doch die Kirche bestreitet dies.  Im 21. Jahrhundert rächt sich nun Jahr für Jahr die sich immer noch steigernde Barbarei an diesen Geschöpfen Gottes. Und der Mensch muss allmählich erkennen, dass seine Tyrannei an der Mutter Erde und an allen ihren Lebensformen mehr und mehr auf ihn selbst zurückfällt. Eine der Wurzeln dieser Tragödie führt zurück zu Paulus, dem kopflastigen Schriftgelehrten, der in Bezug auf das Empfinden der Tiere wohl genauso abgestumpft war wie es die Kirchenführer noch heute sind.

Der Fleischverzehr der Israeliten war über Zeiten vor Christus sehr gering. Und im ursprünglichen Schöpfungsbericht der Bibel ist eindeutig vermerkt, dass Fleischverzehr nicht zur Schöpfungsordnung gehört (1. Moses 1, 29-34). Priester veränderten die alten Schriften nach der Sintflut Gott die erlaubnis zum Fleischkonsum in den Mund legten (1. Moses 9, 2-4). Dadurch wurde der Fleischverzehr ein Bestandteil des priesterlichen Opferkults, der angeblich durch Moses eingesetzt worden war, doch tatsächlich Moses nur untergeschoben wurde.

Einen Beweis für diese Fälschung findet man im Alten Testament der Bibel beim Propheten Jeremia. In Jeremina 2, 22 steht das genaue Gegenteil der Vorschriften des Moses über die Tieropfer. „Ich aber habe euren Vätern an dem Tage, als ich sie aus Ägypten führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern; sondern dies habe ich ihnen geboten: „Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein …““ Somit wird klar widerlegt, dass die dem Moses zugeschriebenen Tieropfer-Anweisungen niemals von Gott stammten, der durch seine Propheten Israels gesprochen hatte. Daraus folgt weiterhin, dass die Priester selbst einen grausamen Kult mit schrecklichen Tieropfern und anschließendem Verzehr von Fleisch eingeführt hatten. Viele Propheten Israels stemmten sich dagegen wie in einer Vielzahl von Fällen in der Bibel dokumentiert wird. So schreibt neben Jeremias auch der Prophet Jesaja:“ Wer einen Stier schlachtet, gleich dem, der einen Mann erschlägt.“

Von einem "weltlichen", nicht religiösen "Fleischmarkt" ist dabei noch nichts bekannt. Die Priester Israels waren in der Regel die Schlächter, und sie selbst wachten darüber, welche Arten von Fleisch das Volk wann essen durfte und welche nicht. Auch ordneten sie an, wie alles zubereitet werden musste und welche Anteile sich die Priester zum eigenen Verzehr auf die Seite legen durften.
Immerhin könnte diese Anbindung des Fleischkonsums an die Religion grundsätzlich noch einen Rest an Achtung vor dem Leben der Tiere enthalten, die dann jedoch durch das religiöse Opferhandeln in Bestialität verkehrt wird. Als Jesus die Tierhändler aus dem Tempel zu Jerusalem trieb, war dieser auch ein riesiger Schlachthof, aus dem das Blut Tausender getöteter Tiere in die Abwasserkanäle floss, und Jesus nannte ihn eine "Räuberhöhle".

Eine kurze Zeit nach Jesus Verlassen der Erde erlebt dieser dieselben Fälschungen wie Moses durch Saulus der zum Paulus wurde. Paulus weiß wenig bis gar nichts über das was Jesus über die Tiere predigte und mit welcher tiefen Liebe er den Geschöpfen Gottes zugetan war, ebenso weiß er nichts über die Austreibung der Tierhändler aus dem Tempel. In der griechisch-römischen Welt gab es verschiedene Opferkulte anderer Religionen mit einem weltlichen Fleischmarkt. Paulus meint dann dazu, dass ein Christ alles „was auf dem Fleischmarkt verkauft wird“, essen könne (1. Korintherbrief 10,25), unabhängig von der Herkunft des Fleisches. Und andere Schreiber des Neuen Testaments erzählen den Gemeinden sogar von den angeblich "unvernünftigen Tieren, die von Natur dazu geboren sind, dass sie gefangen und geschlachtet werden". (2. Petrusbrief 2, 12).

Paulus ist zwar Jude, erkennt aber die jüdischen Gebote und Gesetze, zu denen auch die Tieropfer- und Speisevorschriften gehören, nicht mehr als "Heilsweg" zu Gott an. Zwar seien sie von Gott gegeben und "gut" (Römerbrief 7, 12), doch könne sie niemand erfüllen, so die Meinung von Paulus. Deshalb macht er sich frei davon und beruft sich dabei auf Christus. Doch das tut er zu Unrecht. Denn Jesus hob niemals von Gott gegebene Gebote auf, im Gegenteil (siehe Matthäus 5, 17). Jesus korrigierte mit seinem "Ich aber sage euch" nur die Verfälschungen der Gebote, und er verdeutlichte und vertiefte vieles, was bereits durch Mose und die anderen Propheten gegeben wurde. Dass z. B. die Tiere "Übernächste" sind und Freunde des Menschen sein wollen, die man nicht verspeisen soll, wie man in "apokryphen" Evangelien außerhalb der Bibel auch nachlesen kann; oder dass auch Tiere, wenn man sie quält und tötet, große Schmerzen erdulden müssen. Dies spielt jedoch weder bei den jüdischen Vorschriften noch bei Paulus eine Rolle.

Paulus ist als Jude nun aber auch römischer Bürger und als solcher vertraut mit den Gepflogenheiten der wohlhabenden römischen Oberschicht, für die Fleisch vor allem bei festlichen Anlässen gelegentlich auf dem Speiseplan steht. Und dies wird wohl auch für das gemeinsame Essen und Trinken in den von Paulus betreuten Gemeinden erwogen bzw. übernommen. Denn die ersten Christen trafen sich, so weit möglich, meist abends zum gemeinsamen Abendessen oder in besonders feierlicher Form zu einem Abendmahl. Dieses Gemeinschaftserlebnis wird in der Kirche später durch das Zerkauen einer "Hostie" (einer Backoblate) ersetzt, die man sich am Altar von einem Priester oder Pfarrer geben lässt, so dass das heutige Kirchenmitglied kaum mehr eine Vorstellung davon hat, wie Jesus und die ersten Christen auch hier ihren Alltag miteinander teilten - in Dankbarkeit gegenüber Gott für die Gaben aus Gottes guter Schöpfung und als Stärkung für Leib und Seele.

Bei einem Besuch von Petrus und anderen Abgesandten der Urgemeinde Jerusalem in einer von Paulus gegründeten Gemeinde kommt es eines Tages zum Konflikt. Die Jerusalemer verweigern die Mahlgemeinschaft. Aus diesem Grund werden sie von Paulus zur Rede gestellt und gescholten (Bibel, Galaterbrief 2). Den Hinweisen auf die Autorität der Apostel begegnet Paulus selbstbewusst bzw. selbstherrlich mit den Worten: "Von denen aber, die das Ansehen hatten - was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht." (2, 6)

Paulus stellt den Konflikt nun so dar, als würden Petrus und seine Begleiter auf der Einhaltung der jüdischen Speisevorschriften auch für nichtjüdische Nachfolger von Jesus bestehen. Doch diese Darstellung muss angezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist demnach, dass sie überhaupt kein Fleisch essen wollten; so, wie sie von Jesus aufgeklärt worden waren - noch dazu, wenn in diesem Rahmen auch das Abendmahl gefeiert würde, bei dem man sich bewusstmacht, dass Christus lebt und gegenwärtig ist.   Vermutlich war das Einhalten der jüdischen Speisevorschriften war vor diesem Hintergrund vielleicht ein Kompromissvorschlag, den jemand gemacht haben könnte, der nach einem gemeinsamen "Nenner" für die unterschiedlichen Vorstellungen suchte. Denn mit der Berücksichtigung der jüdischen Tradition hätte man zumindest einem bedenkenlosen Fleischverzehr Einhalt gebieten können. Kompromisse sind jedoch nicht das, was Jesus wollte.

Im Alten Testament sind Tiere wie Hase und Schwein vor Schlachtungen geschützt. Und im jüdischen Gebot, keine Blutprodukte zu essen, spiegelt sich ein Rest an Achtung von anderen Lebewesen wieder die Moses den Israeliten vermittelt hatte. Mit dem Schächtgebot wurden die Lehren Moses gänzlich pervertiert. In der Apostelgeschichte des Neuen Testaments heißt es hierzu: „den Heiden, die sich zu Gott bekehren", lediglich auferlegte, sich "von Götzendienst, von Unzucht, von nicht ausgeblutetem Fleisch und von Blutgenuss" (Apostelgeschichte 15, 5) zu enthalten. Daraus folgt, dass es sich bei der Ernährungsfrage ausdrücklich nicht um eine belanglose Randerscheinung, was die Umgangsformen anbelangt, wie es heute oft dargestellt wird, sondern um etwas Essentielles. Keine Berührung mit dem Blut der Tiere, in denen das Leben war - diese Anweisung steht in einer Reihe mit "Kein Götzendienst" und mit "Keine Unzucht".

Paulus hält von dieser Überlieferung nicht viel und so schreibt er nach Philipper 3,8 über den „Dreck“. Er selber hält sich für aufgeklärt wie ein selbstbewusster Römer und so fehlt ihm auch das Bewusstsein für das Leid der Tiere. Paulus gibt sich diplomatisch und lässt sich nicht in Frage stellen. Im Gegenteil hält er es für angebracht, dass die Gläubigen nicht wissen brauchen ob das beim Mahl in den christlichen Gemeinden aufgetragene Fleisch zuvor bei Kulthandlungen heidnischen Göttern geweiht wurde. Paulus greift erst ein, als einige Gemeindeglieder sowohl am gemeindlichen Abendmahl als auch an Kult-Mahlen anderer Religionsgemeinschaften teilnehmen, und er erklärt schließlich die Unvereinbarkeit beider Tischgemeinschaften. Doch immerhin ist er selbst bereit, auf Fleisch beim Mahl zu verzichten - allerdings nicht der Tiere wegen, sondern aus "Rücksicht" auf die in seinen Augen im Glauben "schwachen" Vegetarier; bzw. aus Rücksicht auf diejenigen "Schwachen im Glauben", die Skrupel vor dem Verzehr von Fleisch haben, das zuvor durch die Hände heidnischer Priester gegangen ist (1. Korinther 10,23-33). In der kirchlichen Theologie wird diese Thematik heute jedoch so dargestellt, dass es dabei ausschließlich um kultische Fragen ging. In Wirklichkeit wird es jedoch beide Motive für den Fleischverzicht, sowohl das kultische Motiv als auch das tierfreundliche, gegeben haben.

Wie sieht die Situation heutzutage aus? Nach der Lehre des Paulus hätte in den Gemeinden bzw. späteren Kirche dazu führen müssen, das Fleisch dennoch zu verbannen, solange es nämlich auch nur einen in der Gemeinde gibt, der daran Anstoß nimmt, aus welchen Motiven auch immer. Damit hätte man befolgt, was Paulus einst geboten hatte und wie er es selbst hielt: Er war bereit, unter diesen Umständen auf Fleisch zu verzichten.

Und da es heute Tausende von "Gemeindegliedern" gibt, die aufgrund von brutalster Massentierhaltung und Hungersnöten (die auch durch Verfütterung von Getreide an das "Vieh der Reichen" bedingt sind) Anstoß nehmen, müssten die Paulus-Anhänger in den Kirchen heute auf den Fleischkonsum verzichten, wenn sie sich Paulus wirklich zum Vorbild nehmen würden.
Doch das Gegenteil ist der Fall. Auch blendet man heute in diesem Zusammenhang meist die Umstände aus, unter denen Paulus seine einstigen Aussagen machte. Denn keineswegs ermunterte er die Gemeinden, sich aus Gaumenlust gewohnheitsmäßig Fleisch zu besorgen und dieses zuzubereiten, wie dies heute im Kirchenchristentum üblich ist, sondern es ging z. B. um das rechte Verhalten, wenn einem als Gast ein Gastgeber Fleisch serviert (10, 27-29) - immer mit dem Ziel, den Gastgeber oder andere Mitmenschen deswegen nicht zu verärgern (10, 32-33), sondern für den neuen Glauben zu gewinnen.

Das Bewusstsein für das Leid der Tiere und für die Einheit der Schöpfung hat Paulus noch nicht oder nur wenig erschlossen, was aber notwendig gewesen wäre, um seine Aufgabe im Sinne von Christus zu erfüllen. So aber überschätzt sich Paulus in seiner inneren Entwicklung. Und er setzt sich damals mit seiner grundsätzlichen Haltung des bedenkenlosen und grenzenlosen Fleischkonsums durch, was vor allem bei solchen Menschen gerne gehört wurde, deren Bewusstsein noch abgestumpfter war als das seine. Und die Gewissensnöte der angeblich "Schwachen im Glauben" und die Rücksicht der anderen auf diese Gewissensbisse, die Paulus ausdrücklich auch lehrt, versanken in den Gemeinden und in der Kirchenchristenheit bald in völliger Bedeutungslosigkeit.

Und so schreibt der Paulusschüler Lukas in seiner Apostelgeschichte z. B. auch, dass der Apostel Petrus eine Gottesvision erhalten haben soll, in der es im Hinblick auf kultisch "unreine" Tiere heißt: "Steh auf, Petrus, schlachte und iss!" (10, 13) Nachdem sich Petrus erst gewehrt habe, hätte die Stimme gesagt: "Was Gott reingemacht hat, das nenne du nicht verboten" (10, 15). Angeblich hatte Petrus in der Vision also zunächst die oben bereits genannten kultischen Bedenken gegenüber dem Schlachten und Essen bestimmter Tiere, und eine Stimme hätte sie ihm anschließend zu nehmen versucht. Im unmittelbaren Zusammenhang geht es jedoch gar nicht um Tiere, sondern um die Erkenntnis, dass es keine "unreinen" Menschen gibt. Im Kern lautet also die Botschaft dieser Vision: So wie es keine "unreinen Tiere" gibt, so gibt es auch keine "unreinen" Menschen.

Während dies für die davon betroffenen Menschen jedoch ein Vorteil ist, da sie dann nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, bedeutet "Reinheit" für die bis dahin "unreinen" Tiere in der Folge ein furchtbares Todesurteil. Die Einzelheiten dieser Vision entsprechen dabei wiederum der Lehre des Paulus, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft wird", essen könne. (1. Korintherbrief 10, 25)

Das Tückische dieses Gleichnisses und Erfahrungen besteht darin, dass ein bestimmter Fortschritt ("Die jüdischen Kultvorschriften sind nicht mehr verbindlich") mit einer Unwahrheit verknüpft wird ("Gott habe dem Menschen die Tiere zum Schlachten gegeben") - ein Gemisch, auf das sich die Kirchen bis heute berufen. So trägt also auch das biblische "Schlachte und iss" aus jenem Gleichnis bis heute dazu bei, das Gewissen von Metzgern und Fleischessern abzutöten.

Der nächste Schritt in diese verhängnisvolle Richtung ist im 1. Timotheusbrief der Bibel dokumentiert, den wahrscheinlich ein Paulusschüler verfasst hat. Dort ist von Verführern die Rede, die gebieten, "Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, dass sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen [damit ist wahrscheinlich das Essen von Fleisch gemeint]. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet." (4, 1-5)
Diese Bibelstelle wird heute von den Kirchen bevorzugt zur Rechtfertigung des Fleischkonsums zitiert. Doch könnte ein Kannibale mit dieser Bibelstelle theoretisch genauso gut den Verzehr von Menschenfleisch rechtfertigen, wenn man das vorausgehende Tischgebet nicht vergisst.

Andersdenkende werden im 1. Timotheusbrief sogar der "teuflischen Lügenreden" bezichtigt. Eine verhängnisvolle Auseinandersetzung nimmt nun ihren Lauf: Die ursprünglichen Paulusgemeinden verfestigen sich und verrohen immer mehr, und einige Generationen später entsteht daraus eine Staatskirche, die Abweichler in der Folgezeit immer häufiger hinrichten lässt - so wie man Generationen zuvor das Schaf, den Stier und die Tauben töten lässt. Und ein Abweichler von der reinen katholischen Lehre ist eben auch ein Mensch, der aus Tierliebe kein Fleisch essen möchte. So lehrt die Synode von Toledo im Jahr 447: "Wer sagt oder glaubt, man müsse sich vom Fleisch der Vögel oder des Viehs, das zur Speise gegeben ist, nicht nur um der Züchtigung des Leibes willen enthalten, sondern es verabscheuen, anathema sit (= der sei verflucht. Und dieser Fluch gegenüber allen Menschen, die aus Liebe zu den Tieren das Fleischessen verabscheuen, bedeutete für die Menschen damals ein Todesurteil und die Verurteilung zu angeblich ewiger Hölle. Doch die Verrohung der Menschen gegenüber den Mitgeschöpfen unter dem Einfluss kirchlichen Denkens erreicht erst in unserer Zeit neue Höhepunkte.

Während im 21. Jahrhundert das Gespür für das Leiden der Tiere bei vielen Menschen allmählich wächst und sie sich für das Ende der Massentierhaltungen, der grausamen Tierversuche, der Tiertransporte, der Schlachtungen und der Jagd einsetzen, halten sich die Kirchenführer weiterhin an die "Unbedenklichkeitserklärung" des Paulus gegen den Fleischkonsum. Und die Kirche segnet sowohl die Massentierhaltungen als auch die Schlachthöfe, die Tierversuchlabors und die Jagden sowie den bedenkenlosen Fleischkonsum. Und dies geschieht weltweit. Dabei blenden die kirchlichen Obrigkeiten und Theologen völlig aus, dass Paulus bei Einwänden innerhalb der Gemeinschaft für den Verzicht plädierte - wenn auch aus einer falschen Selbstsicherheit heraus, doch immerhin; und zwar bereits dann, wenn nur ein Gemeindeglied Anstoß daran nimmt (siehe oben).
Doch wie ist es heute? Wenn heute ein Kirchenchrist Einwände z. B. gegenüber der österlichen Fleischweihe im katholischen Gottesdienst erhebt oder gegenüber dem Schinken am Erntedankaltar oder gegen die Steaks oder die Bratwürste beim Kirchweihfest oder gegen das Weißwurstfrühstück mit dem Kirchenrat, dann wird das Verhalten des Paulus ignoriert. Für den Kirchenchristen, der Bedenken anmeldet, kann es stattdessen sehr ungemütlich werden; vor allem dann, wenn der Metzger der Freund des Pfarrers ist oder der Geflügelzüchter im Kirchenvorstand sitzt. Auf Paulus kann sich die Kirche dann aber nicht mehr berufen, geschweige denn auf Jesus, den Christus. Es zeigt sich dann nur noch ein sich selbst entlarvender Götzenkult im christlichen Mäntelchen.

Dazu eine weitere Momentaufnahme: Auch bei der Unterzeichnung der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" von katholischen und evangelischen Kirchenoberen (Allein der Glaube mache angeblich "gerecht" vor Gott; Augsburg, 31.12.1999) wieder das typische Bild: Es fährt ein LKW einer Metzgerei vor, voll beladen mit Fleisch und Wurst, um die Amtsträger aus dem Vatikan und vom Lutherischen Weltbund nach der Zeremonie tierkannibalisch zu verköstigen - frei nach dem aus dem Gesamtzusammenhang gerissenen Paulussatz: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert."
So halten sie es seit nunmehr fast 2000 Jahren. Doch bei Paulus gab es noch keine Tierquälerei in Massentierställen und keine Massenfleischproduktion im Überfluss einerseits und damit zusammen hängende Hungerkatastrophen andererseits und manches mehr. Doch was muss eigentlich noch alles geschehen, damit das Gewissen der selbstherrlichen Theologen berührt wird? Eigentlich müsste das Gewissen auch ohne intensive Nachforschung bereits schwerer und immer schwerer werden, wenn die Betroffenen überhaupt noch ein Gewissen haben.

Doch: Immer mehr Menschen verlassen das sinkende Götzenopferschiff Kirche. Sie sehen die Erde als ein Ganzes, als ihre Ernährerin, als einen Teil ihres eigenen Lebens. Sie ernähren sich von dem, was die Erde Menschen und Tieren bereitwillig schenkt, so wie es von Anfang der Schöpfung an geplant war (1. Mose 1, 29-31) und so wie es im kommenden Friedensreich wieder sein wird, wo selbst die Löwen wieder Stroh essen wie die Rinder (Jesaja 11, 7). Und die Menschen bereiten die Früchte der Erde auch entsprechend sorgsam zu, so wie es Jesus von Nazareth seinen Nachfolgern lehrte. Über diese Zeit spricht auch der Seher Johannes in seiner Offenbarung: "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein" (21, 4). Und dies gilt selbstverständlich auch im Hinblick auf die Tiere und ihr Schreien in den Schlachtfabriken.

 

In Teilen von  https://theologe.de/ entnommen.

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