Der Gralsritter

„Der Gralsritter“ ist der Blog des ORDO MILITUM TEMPLI SANCTI GRAIL (Tempelritterorden vom heiligen Gral)!

In unserem Blog wollen wir historische Fakten, aber auch spirituelle Themen sowie kritische Themenbereiche rund um den Tempelritterorden, unseren urchristlichen Glauben, wie auch dem gesellschaftlichen und kulturellem Lebensumfeld in dem sich die Menschheit bewegt ansprechen und hinterfragen.

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NON NOBIS, DOMINE, NON NOBIS,

SED NOMINI TUO DA GLORIAM

Der Templerfluch

von Harald von Ibelin

Jaques de Moley wurde 1314 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Kurz bevor die Flammen ihn verschlangen stieß er noch einen Fluch aus in welchem er dem König von Frankreich sowie dem Papst vorhersagte, dass sie beide innerhalb eines Jahres sterben würden. Und so kam es auch, beide Protagonisten verstarben wie vorhergesagt.


Machen wir uns auf die Suche wie es zu diesem Fluch kam und vor allem warum er sich so lange gehalten hat. Was steckte wirklich hinter der Geschichte mit dem Fluch. Die Geschichte wird ja heutzutage gerne durch die Alternativhistoriker und Esoteriker genutzt um auf eigene Ziele aufmerksam zu machen.


Paolo Emilie 1548 brachte die Geschichte auf, alle neuzeitlichen Informationen über den Templerfluch beziehen sich auf ihn. Er war die früheste Quelle die alle in der Story genannten Elemente beinhaltete und zusammenführte. De Moley ist der Protagonist, der eine Rede auf dem Scheiterhaufen hält und eine Verfluchung mit genauer Zeitangabe vorhersagt. Paolo Emilie war ein italienischer Historiker der sich den Taten der französischen Herrscher gewidmet hatte. Das Problem war allerdings als er die Geschichte aufschrieb waren die Templer bereites ca. 230 Jahre aufgelöst und verschwunden.


Ist dann Paolo Emilie eine vertrauenswürdige Quelle? Nicht wirklich!


Dann stellt sich die Frage ob die Geschichte nicht schon bereits viel früher existiert hatte. Gab es vielleicht unter den Zeitgenossen der Templer jemanden der uns mehr über den Templerfluch mitteilen kann und vor allem der dabei gewesen ist bei den Verbrennungen.


Das ist tatsächlich nicht leicht, denn über die Verbrennung von de Moley wurde seinerseits kaum berichtet. Die Bevölkerung war nach 7 Jahren der Templerprozesse abgestumpft und gelangweilt.


Es gibt aber zwei Augenzeugenberichte die uns über den Fluch mehr Auskunft geben können.

Godeffrey de Paris erlebte die Zeiten 1313 bis 1317 mit und hatte eine Chronik über den Templerorden geschrieben. Dabei beschäftigte er sich auch mit den Verbrennungen der Templer. Also ein Volltreffer oder etwas nicht?


Laut seiner Aussage hatte de Moley bevor er auf den Scheiterhaufen gebracht wurde eine Ansprache gehalten. Auf dem Scheiterhaufen selber betonte er die Rechtgläubigkeit des Templerordens sowie die Haltlosigkeit der Vorwürfe. Und der Großmeister führte weiter an, dass er es verdient hätte zu sterben, weil er unter der Folter schwach geworden sei und der Haltlosigkeit der Vorwürfe nicht konsequent entgegengetreten sei, sowie teilweise die Vorwürfe bestätigt hatte. Diejenigen die den Orden fälschlicher Weise angeschwärzt hatten, würden ihre gerechte Strafe schon noch bekommen.


Nun könnte man bei dieser Aussage subsummieren, dass das so eine Art Prophezeiung und Verfluchung darstellen könnte, aber dabei fehlt der genaue Zeitpunkt des Fluches komplett. Letztendlich muss man also sagen, dass der Augenzeuge, der die Verbrennung mitangesehen hatte, definitiv nichts von einem Fluch wusste.


Doch woher kommt dann die Geschichte mit dem Fluch. Es gibt noch eine weitere Geschichte von Feretto de Feretis um 1330 entstanden mit einem Fluch und zwar gab es einen namentlich nicht genannten Tempelritter der vor den Papst trat und Einspruch gegen sein Todesurteil erhob mit den folgenden Worten: „Der wahre und gerechte Gott bezeuge euer ungerechtes Urteil, so dass ihr und König Phillip innerhalb eines Jahres vor Gott treten werdet und dort Rechenschaft ablegen müsst.“


Und jetzt wissen wir woher die Geschichte mit dem Fluch wirklich herkommt, da er alle wichtigen Aussagen über den Templerfluch beinhaltet. Gab es den Templerfluch wirklich? Nun der Autor schrieb seine Geschichte 16 Jahre nach Auflösung des Templerordens und wusste das der Fluch auf jeden Fall eingetreten war, da er dem Templer die Aussage in den Mund gelegt hatte.


Zählt also ein Fluch noch als Fluch, wenn man weiss das das gewünschte Ergebnis bereits eingetreten war?

Zu mindestens wissen wir nun woher die heutige Sichtweise über den Templerfluch herkommt. Zwei unterschiedliche Geschichten über die Auflösung des Templerordens vermischen sich zu einer und so entsteht die heutige Sichtweise über den Fluch. Die Verschmelzung dieser beiden Geschichten ist spätestens im 16. Jahrhundert durch Paolo Emilie abgeschlossen. Bei genauer Betrachtung ist der Templerfluch folglich ein Produkt der Geschichtsschreibung und wurde dem Großmeister der Templer bei seiner Verbrennung in den Mund gelegt.


Noch eine Anmerkung zur Verbrennung aller Templer durch den Weg in den Tod auf dem Scheiterhaufen. Dem war tatsächlich nicht so, denn zur damaligen Zeit wurden gemeine Verbrechen durch Erhängen bestraft, für den Adel wurde die Enthauptung angewandt und die Verbrennung wurde nur bei den Personen durchgeführt die ihre Aussage nach der Folter wieder zurückzogen hatten.


Bei der Person des de Moley lässt sich aus historischer Sicht feststellen, dass er sehr wankelmütig war, zum einen erkannte er nicht was die Stunde wirklich für den Orden geschlagen hatte und zum anderen hatte er unter Folter gestanden und dann wieder zurückgezogen. Das wurde ungern durch die „Inquisition“ gehört und gesehen und führte schlussendlich zur Verbrennung auf dem Scheiterhaufen.


Zur damaligen Zeit wurden alle Aussagen durch Folterung unterstützt um so den Wahrheitsgehalt zu bestätigen, ohne Folter waren die Aussagen nicht so hoch gewichtet und konnte bei den Prozessen kaum genutzt werden. Daher wurde bei den Verhören über die Folter den Opfern eine goldene Brücke gebaut in dem sie die Vorwürfe durch ihre Aussagen bestätigten und diese durch Folter noch höher gewichtet wurden. In der Regel wurden diese Leute dann frei gelassen und mussten ihr Leben nicht hingeben. Folglich war nach dem damaligen Rechtsverständnis jemand der verbrannt wurde, einer auf den man sich nicht verlassen konnte und der unehrenhaft war und somit den Tod auf dem Scheiterhaufen verdiente.

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